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Nordseeradwanderweg Teil Niederlande - Wiemerstedt

Nachdem wir uns Anfang des Jahres mit neuen Fahrrädern ausgestattet haben, soll es jetzt irgendeine spektakuläre und lange Radtour geben. Der Nordseeradwanderweg ist schon vor Jahren als ein großes touristisches Erlebnis propagiert worden und uns reizt es, den Einstieg in diesen Radwanderweg, der um die gesamte Nordsee herumführt, zu wagen. Man kann ihn dann über Jahre hinweg befahren. Das erste Teilstück soll die Strecke von Hoek van Holland an der Nordsee entlang bis nach Wiemerstedt werden.

Dienstag, 29.06.2004

Um 05:45 schellt der Wecker, fertig machen, Brötchen holen und ein schönes Frühstück. Um 07:00 Uhr geht es ab zum Heider Bahnhof. Weil wir gut drauf sind, erreichen wir einen früheren Zug als geplant und fahren um 07:35 Uhr ab. In allen Zügen haben wir Fahrradabteile und zwischen Hamburg und der niederländischen Grenze sind die sogar reserviert. Das Umsteigen klappt, wir bekommen alle Anschlusszüge und stehen um 15:30 Uhr auf dem Rotterdamer Bahnhof. Bis Hoek van Holland sind es 32 km, stramm gegen den Westwind, aber wir sind gut vorbereitet und die Fahrradwege sind wirklich gut. Erstaunlich die Bereitschaft der Autofahrer, auf Radfahrer Rücksicht zu nehmen. Das sollte man in Deutschland auch einführen. Die Reservierung im Hotel Kuiperduin hat geklappt, nach dem Abendessen schlafen wir ausgezeichnet.

Mittwoch, 30.06.2004

Nach einem hervorragenden Frühstück geht es in die Dünenlandschaft und wir „drehen in den Wind“. Die Radwege sind vom Allerfeinsten, doppelt so breit wie von Deutschland her gewohnt, zum Teil mit Mittellinie, keine Fußgänger und keine Autos, dabei noch den ganzen Tag Rückenwind, was will man mehr. Als wir uns zur Mittagspause hinsetzen, haben wir schon deutlich mehr als 50 km gefahren, für den ersten Tag zum Eingewöhnen nicht schlecht. Interessant ist rechterhand das „Glasland“, Gewächshäuser soweit das Auge reicht, von Hoek van Holland bis Höhe Den Haag. Die Badeorte Kattwijk, Nordwijk, Scheveningen und Zandvort mit ihren mondänen Hotels werden passiert. Später treffen wir 2 Ehepaare vom Bodensee, die mit Rädern unterwegs sind und sich vorgenommen haben, für Übernachtungen keinesfalls mehr als 20 Euro pro Person auszugeben, wenn sie dafür nichts kriegen, wollen sie zur Not unter „Brücken schlafen“. Bisher haben sie aber immer irgendetwas bekommen, und wenn sie einfach nur beim ersten Haus im Ort gefragt haben. Da haben wir den etwas komfortableren Weg gewählt, wir freuen uns auf unser Hotel Kennemer Hof in Ijmuiden und nach 84 km haben wir es geschafft. Probleme mit der Kettenspannung werden im freundlichen Fahrradladen um die Ecke behoben und dann wollen wir noch Fußball sehen, schließlich ist Europameisterschaft und die Niederlande stehen Kopf.

Donnerstag, 01.07.2004

Die Niederlande sind deprimiert. Sie haben gegen Portugal verloren. Uns ist das erst einmal egal, wir schauen uns lieber nach dem Wetter um. Zuerst ist es etwas kühl, aber später wird es angenehm, sonnige Abschnitte und nicht zu heiß. Die ersten 45 km geht es wieder durch die Dünen. Kormorane, Wildgänse und diverse Möwenarten begleiten uns. Von der Qualität des Radweges kann man nur träumen. Rechterhand heute besonders viele Blumenfelder, wir wissen jetzt, wieso überall in Europa holländische Blumen den Markt überschwemmen. Besonders schön ein Feld mit verschiedenfarbigen Mohnsorten. In Richtung auf das Ijsselmeer geht es dann durch Marschlandschaft, die so auch in Schleswig-Holstein sein könnte. Das Hotel in Den Oever ist super, wir sind schon am frühen Nachmittag da und glauben, dass wir uns nach 96,6 km ein ordentliches Abendessen verdient haben. Das dann einsetzende Gewitter mit kräftigem Regen stört uns nicht weiter, Hauptsache, morgen ist es schön.

Freitag, 02.07.2004

In Bezug auf das Wetter soll es unser Glückstag werden. Wir biegen sofort auf den Ijseelmeerdamm ein, der kräftige Wind schiebt uns Richtung Nordosten, rechts und links werden wir von Regenwolken überholt aber wir bleiben trocken. Der Schiebewind verhilft uns zu stolzen 36 km in den ersten 1 ½ Stunden, so einen Schnitt sind wir noch nie gefahren. In Harlingen bummeln wir dann über den Markt, genießen Fischbrötchen und haben das Gefühl, in Friedrichstadt zu sein. Danach wieder holländische Marschenlandschaft, jede Menge Schafe und Kartoffelfelder. Noch was zum Verhältnis Radfahrer – Autofahrer. Hier in Holland hat man als Radfahrer das Gefühl, einer privilegierten Klasse anzugehören. Autofahrer nehmen Rücksicht, lassen einem Vorfahrt, auch wenn man gar keine hat. In Ditmarschen hat man hingegen manchmal das Gefühl, Freiwild zu sein, insbesondere bei so manchem Lohnunternehmer, der es ja so wahnsinnig eilig hat! In Hollwert angekommen haben wir dann in reiner Fahrzeit von 4 ½ Stunden 90 km zurückgelegt, ein für uns riesiger Schnitt. Hollwert selber haben wir in einer halben Stunde besichtigt, leider kein Cafe mit Eis oder Kuchen.

Samstag, 03.07.2004

Holländische Marschenlandschaft mit Kartoffeln, Gemüse und Weizen. Nicht nur Blumen, sondern auch Kartoffeln für ganz Europa. Mit dem Wetter haben wir weiterhin ziemlich viel Glück, die Schauer sind vor, neben oder hinter uns, wir bleiben  trocken. Der Wind schiebt wieder kräftig und am Ende kommen heute 103,3 km zustande und es ist erst 15:30 Uhr. Der Wetterbericht verspricht uns für morgen reichlich Wind, aber von der falschen Seite. Ansonsten ein eher langweiliger Tag mit wenig Abwechslung in der Landschaft.

Sonntag, 04.07.2004

Der Tag fängt hoffnungsvoll an, wir kriegen erst einmal keinen Regen ab. Runter nach Nieuweschans, viel Kartoffeln und Weizen und dann überschreiten wir die Grenze nach Deutschland. Zweimal Flohmarkt (haha..), einmal Bratwurst, Capuccino und Apfeltaschen lassen uns so richtig aufleben. Aber dann geht es so langsam mit dem Regen los. Während der Überquerung der Ems müssen wir zum ersten mal Regenzeug anziehen, es schüttet wie verrückt. In Leer beschauen wir uns die schöne Altstadt, ein schmuckes Rathaus und genießen einen Radweg, den man getrost als Straße bezeichnen kann. Das macht wohl die Nähe zu Holland. Die Durchfahrt durch Emden im Regen ist nicht so toll, aber als es dann trocken wird, wollen wir noch ein paar km fahren, damit wir einen Teil der „Gegenwindstrecke“ mit Fahrtrichtung Nordwest noch hinter uns bringen. Wir wollen auch ein bisschen abkürzen und landen an einer Fähre, die man selber mit Hilfe eines Kettenzuges in Bewegung setzen muss. Eine tolle Idee, wenn man aber in der Mitte des Flusses ist und sich die Kette so verhakt, dass man nicht weiter kommt, ist das weniger schön. Als wir schon überlegen, per Handy Hilfe zu holen, kommt uns die Idee, die Kette auszuhaken, so können wir wenigstens ans Ufer zurück. Natürlich sind wir immer noch auf der falschen Seite und aus der geplanten Abkürzung werden leicht 15 km Umweg. Nach 119,3 km dann aber am Ende einer anstrengenden Etappe ein sehr nettes Gasthaus, hervorragendes Essen (Krabben mit Rührei und Bratkartoffeln) und eine ruhige Nacht. Was wollen wir mehr?

Montag, 05.07.2004

Der Tag beginnt hoffnungsvoll, was Wetter und Wind angeht. Später wird es auch noch richtig warm. Das Fahren bei Rückenwind ist toll. Die Wege am Deich sind sehr gut ausgebaut, der einzige Nachteil sind die vielen Schafsgatter und natürlich auch Schafsköttel, die etwas störend sind. Wir fahren von Fischereihafen zu Fischereihafen, entsprechend ist die Verpflegung unterwegs: Brötchen mit Krabben, Lachs, Rollmops und Schillerlocke. Nachmittags noch ein Eisbecher, es ist ein toller Tag. In Jever finden wir Unterkunft und die anschließende Verabredung mit Herrn Ries und Lebensgefährtin im Brauhaus klappt. Ein Super-Abendessen, dazu nette Unterhaltung und Jever Pilsener, es geht uns richtig gut.

Dienstag, 06.07.2004

Entlang des Hooksieler Tiefs (ein kleiner Kanal, der in früheren Zeiten geschaffen wurde, um eine Anbindung an die Nordsee zu haben) fahren wir wieder Richtung Nordseeküste. Dabei besichtigen wir kurz das Ries´sche Domizil, da steckt noch ein Stück Arbeit für ihn und seine Lebensgefährtin drin. An der Nordseeküste entlang haben wir anfangs wieder eine Rennstrecke mit Rückenwind, als wir aber hinter Wilhelmshaven den Jadebusen umrunden, dreht sich das ins Gegenteil. Außerdem haben wohl die Schulen hier einen Tag vor den Sommerferien eine Art Fahrradwandertag. Wir treffen jede Menge Klassen, die zum Teil doch recht undiszipliniert fahren. Prompt fährt eine "dämliche" Schülerin Waltraut quer ins Rad, weil sie beim Anfahren ohne zu schauen quer über den Radweg fährt. Zum Glück geht der Sturz recht glimpflich ab. Wir schaffen die Strecke soweit nach Norden, dass wir morgen schon wieder in Richtung Bremerhaven eindrehen können. Zum Abendessen eine leckere Pizza, die tut nach 99 km richtig gut.

Mittwoch, 07.07.2004

Das Frühstück und die Sonne sollen heute das Beste sein, was wir kriegen. Ansonsten hat der kräftige Wind auf Nordosten gedreht und das heißt für uns, dass wir den ganzen Tag gegenan treten müssen. Dafür bekommen wir heute einiges geboten. Wir fahren praktisch quer durch den Bremerhavener Freihafen, vom Schiffsbau über riesige Autotransporter bis hin zu Tausenden von Neuwagen auf Abstellplätzen, es gibt einiges zu sehen. Der Deutsche Export scheint zu brummen. Am Nachmittag dann sehr schöne Radwege, beschauliche Dörfer auf dem Weg nach Cuxhaven, wenn nur nicht der auffrischende Wind wäre. In Cuxhaven haben wir einige Mühe, die Stadt wieder zu erkennen, Innenstadt, Hafen und Fußgängerzone haben sich doch gewaltig verändert. Ist aber auch mehr als 25 Jahre her, dass wir da gewohnt haben. Nur die Fischabfälle, der Gammel, stinken noch genauso wie vor 25 Jahren. Im "Deutschen Haus" in Altenbruch finden wir ein rustikales Quartier mit einem deftigen Abendessen, anscheinend Portionen für hungrige Radfahrer.

Donnerstag, 08.07.2004

Der vorletzte Tag. Wir melden uns schon mal bei Gisela und Karl-Heinz an, denn wir sind sicher, dass wir heute Abend da sind. Leider gibt es keinen Radweg, der genau an der Elbe entlang führt, aber die Straßen in der Elbmarsch sind wenig befahren und wir kommen gut voran. Das Wetter hält sich ganz ordentlich, allerdings kommt der Wind so ein bisschen von links vorne, also nicht ganz gegenan aber doch manchmal unangenehm. Am späten Nachmittag erreichen wir Glückstadt, gehen mit Gisela und Karl-Heinz aus essen und freuen uns auf den morgigen Tag, der uns wieder nach Hause bringt.

Freitag, 09.07.2004

Warmes Wetter, gute Kondition auch nach 9 Tagen, der letzte Tag ist schnell gefahren. Die knapp 80 km sind bis 14:00 Uhr abgestrampelt. Leider passt es nicht ganz, dass wir auf dem Rückweg in Hemmingstedt bei Reimer und Brigitte vorbeischauen, die beiden sind auswärts.

Fazit:

Knapp 1000 km in 10 Tagen sind eine reife Leistung. Gut dass wir von West nach Ost gefahren sind, unterwegs trafen wir Radfahrer, die genau andersherum gefahren sind und fürchterlich schimpften, weil sie nichts als Gegenwind hatten. Obwohl es insgesamt ein sehr verregneter Sommer war haben wir mal wieder Glück gehabt. Insgesamt 2 Stunden unter Regenschutz ist wirklich nicht viel. Die neuen Fahrräder haben sich ausgezeichnet bewährt, sie sind wirklich hinsichtlich Technik und Komfort Luxusklasse. Wir wollen hoffen, dass das in Zukunft so bleibt und der Nordseeradwanderweg wird uns bestimmt an anderer Stelle wiedersehen.