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USA Aufenthalt vom 15.07. - 23.08.1999

Vorwort:

Wie kommt man auf die Idee, 5 ½ Wochen in den USA zu „touren“ und wie sieht es mit der Vorbereitung und Durchführung aus?
Das grundsätzliche Interesse war schon immer da, aber wann kann man schon mal mit beiden Ehepartnern 6 Wochen Urlaub in einem Stück nehmen - und bei den Entfernungen in den USA sollten es nicht weniger sein.
Der lange Aufenthalt in Sarajevo war insofern hilfreich, als man dann im Heimatstandort viel Verständnis für einen langen Urlaub hat. Die Empfehlung, mit einem Wohnmobil zu fahren, kam dann von einem Soldaten, der das schon 2 mal mitgemacht hatte und total begeistert war. Der empfohlene Vermieter El Monte hat sich dann auch im nachhinein als ein hervorragend organisierter, „serviceorientierter“ Betrieb herausgestellt. Das Personal spricht fließend Deutsch und wir hatten den Eindruck, daß sich dieser Vermieter vorwiegend auf europäische Kunden aus dem deutschen Sprachraum konzentriert hat.
Die Befürchtungen, „Wie komme ich mit dem Wohnmobil zurecht? Wie ist das mit der Unterkunft und den Stellplätzen? Wie funktioniert das Einkaufen und wie kommen wir mit der Sprache zurecht?“ bestanden natürlich, aber wir hatten den richtigen „Abenteuergeist“, um diese Fahrt anzugehen. Lektüre war reichlich vorhanden, die Reiseführer von Marco Polo erwiesen sich als ausgezeichnete Reisebegleiter.
Die Buchung über das Reisebüro Biehl klappte ganz ordentlich, beim nächsten Mal werden wir aber voraussichtlich bei El Monte direkt buchen und beim Flug auf Fensterplätzen bestehen. Schließlich haben wir nicht umsonst 7 Monate im Voraus gebucht.
Insgesamt lautete unser Motto für die 5 ½ Wochen, wir haben keinen festen Bestimmungsort, der Weg ist unser Ziel.

Hinflug, 15.07.99

Nachdem Waltraut vor 2 ½ Jahren ihre Flugangst weitgehend überwunden hat, gestaltet sich der Hinflug sehr angenehm. Alexander bringt uns in aller Frühe nach Hamburg zum Flughafen, wir sind natürlich viel zu früh da, weil der erwartete Stau am ersten Ferientag ausbleibt. Nach einer längeren Kaffeepause dann ins Flugzeug nach Zürich, dort ein kurzer Stadtbummel, Mittagessen in der Innenstadt und dann wieder zurück zum Flughafen. Um 16:40 heben wir pünktlich ab, der 12-Stunden Flug beginnt. Wir haben das Pech, in der mittleren Reihe in der Mitte zu sitzen, so daß wir immer unsere Nachbarn fragen müssen um aufzustehen. Für einen Flug in späteren Jahren wissen wir, was wir bei der Buchung falsch gemacht haben.
Die Verpflegung ist recht ordentlich, das Flugzeug sehr modern und wir schlafen zwischendurch etwas. Der Flug selber ist sehr ruhig, nur über Grönland merkt man ganz kurz, daß man in der Luft ist. Die Formalitäten für die Einreise werden vorbereitet, Formblätter ausgefüllt, wir nähern uns der Westküste. Erstes Zeichen ist der Mount Shasta links von uns auf der Flugkarte eingeblendet, wir werden ihn ein paar Tage später von unten erneut sehen. Gegen 18:30 Uhr Ortszeit dann die Landung in San Francisco, ein kurzer Stau vor dem Einreiseschalter und wir stehen vor dem Flughafen. Ein Taxi ist schnell zur Hand und ehe wir uns versehen, stehen wir auf einer 5-spurigen Straße (5 Spuren in einer Richtung!) im Stau. Aber der löst sich kurz danach auf und es geht in Richtung San Francisco.
    
Der erste Anblick der Skyline von San Francisco ist beeindruckend, der gewaltige Pyramide Tower überragt die Stadt. Es ist nebelig, ziemlich kühl, wir wissen jetzt, daß die Beschreibung des Klimas in der Bucht von San Francisco stimmt. Das Holiday Inn ist mit 30 Stockwerken riesig, liegt direkt neben Chinatown und empfängt uns freundlich. Ein kurzer Stadtbummel durch Chinatown und dann geht es schnell in die Falle, der 33 - Stunden - Tag haut uns um.

Freitag, 16.07.99

Nach einem riesigen Frühstücksbüffet klappt die telefonische Verbindungsaufnahme mit El Monte ausgezeichnet, wir werden gegen 09:45 Uhr von einem freundlichen Fahrer abgeholt, der uns in einem schauderhaften Englisch erklärt, daß er aus Bulgarien stammt. Als Fahrer ist er eine Katastrophe, er fährt hektisch und natürlich viel zu schnell, aber wir gelangen doch einigermaßen sicher aus San Francisco heraus. Es ist uns nur schleierhaft, wo wir uns befinden und wie wir uns je zurecht finden sollen. Die Übernahme klappt ausgezeichnet, das Fahrzeug ist praktisch neu und die technische Unterweisung sehr detailliert.
  
Wir fragen uns, wie wir das alles behalten und händeln sollen. Die Innenausstattung ist edel und praktisch, von der Kühl- und Gefrierkombination über die Mikrowelle und den Gasherd bis zur Toilette und Dusche, alles ist an Bord und bei 7,60 m Länge haben wir selber mehr als genug Platz. Mittags brechen wir mit dem Ziel auf, erst einmal aus dem Trubel des Großraumes von San Francisco und Oakland herauszukommen. Die Orientierung klappt schon recht ordentlich, auch wenn das US - Straßensystem so seine Eigenarten hat. Der Tempomat wird schnell zur Gewohnheit und nachdem wir den Freitagsverkehr hinter uns haben, läßt es sich angenehm fahren. Ein letzter Blick auf die Silhouette der „schönsten Stadt der Welt“ und wir fahren auf dem Freeway 101 nach Norden. Die Landschaft ist erstaunlich, verdorrtes Gras und grüne Bäume wohin man sieht.
  
Wir informieren uns im Reiseführer, dass es in dieser Gegend im Sommer 3 Monate lang nicht regnet. Je weiter wir nach Norden kommen, um so kleiner werden die Dörfer, der Verkehr auf dem Freeway läßt nach und zwischen den Orten ist verdammt viel Gegend. In Ukiah sehen wir dann unseren ersten RV Park, RV steht für „Recreation Van“, heißt sinngemäß Wohnmobil. Strom, Wasser und Abwasser direkt neben dem RV, wir lernen die sehr sinnvolle Technik des Wohnmobils kennen. Ein kurzer Spaziergang und dann nichts wie ab ins Bett, die Zeitumstellung macht uns zu schaffen.

Samstag, 17.07.99

Wir sind sehr früh auf den Beinen, im Einkaufszentrum finden wir alles, was wir so benötigen. Waltraut findet einen ganz tollen Käse, später habe ich ihr dann übersetzt, daß garlic = Knoblauch ist, ihre Begeisterung hielt sich danach in Grenzen. Viele Fleisch-  und Käseprodukte sind kräftig mit Knoblauch behandelt, eine Erfahrung, die wir über die ganze Zeit hinweg machen. Beim Tanken kann man nur staunen, 29 Gallonen sprich 105 Liter Benzin für knapp 450 km ist recht happig, aber die niedrigen Benzinpreise machen den hohen Verbrauch erträglich. Wir wollen zur Pazifikküste, also geht es erst einmal in die Berge. Das Bild ist fast schon wie gewohnt, verdorrte Landschaft und grüne Bäume. Der Pazifik zeigt sich von seiner besten Seite, Sonne pur, blaues Wasser und so wird unser Mittagessen auf einem Parkplatz hoch über dem Strand zu einem Erlebnis.
  
Wir bewundern die ersten viktorianischen Häuser und fahren gemütlich Richtung Norden. Und dann kommen die Redwoods, Bäume, die bis in den Himmel ragen, mehr als 100 m hoch und vom Stammumfang her so groß, daß man mit dem Auto durchfahren kann, was uns prompt durch einen „Drive-Through-Tree“ bewiesen wird.
  
Der RV mit seinen 4 m Höhe ist allerdings nicht dafür geeignet, die Kassiererin bittet uns, sie zu informieren, falls wir den Versuch unternehmen, einen so schönen Crash ließe sie sich nicht entgehen. Ein anderer Baum ist innen ausgebrannt, eine Einzimmerwohnung, frei zu besichtigen, etwa 4000 Jahre alt und immer noch lebendig.

Die „Avenue of the Giants“ führt uns weiter nach Norden, wir bewundern nicht nur die riesigen Bäume, sondern auch die touristische Ausschlachtung, die Anfahrt, Photographieren und Besichtigung nicht dem Zufall überläßt, sondern entsprechende Punkte vorgibt. Die sind dann natürlich mit Edelkitsch vollgepflastert, vielleicht eine typisch amerikanische Erscheinung. In einigen kleineren Dörfern fühlt man sich in den vergangenen „Wilden Westen“ zurückversetzt, nur die angeleinten Pferde vor dem Saloon fehlen. Die Übernachtung dann in einem sehr schön angelegten Park, umgeben von Redwoods. Die Eingewöhnung macht Fortschritte, immerhin bleiben wir bis nach 21:00 Uhr auf den Beinen.

Sonntag, 18.07.99

Wir sind wieder sehr früh aus den Federn, genießen ein herrliches Frühstück und machen klar Schiff. Insbesondere die Abwasserbeseitigung erweist sich in den RV Parks als problemlos. Wir wollen 1 Tag länger im Camp bleiben und eine kleine Schleife in Richtung Norden nach Eureka und vielleicht darüber hinaus machen. Eureka erweist sich als hübsche Kleinstadt mit einer Vielzahl schöner viktorianischer Häuser, teilweise in hervorragendem Zustand, teilweise aber so kitschig wie zum Beispiel in „Rosa“, dass es fast schon wieder schön ist.
  
Aus der Besichtigung des Samoa Cookhouse wird leider nichts, es ist ein Restaurant. Früher war es eine Küche für Holzfäller, die gerade hier im Norden in den Redwood Wäldern gearbeitet haben. Ein gutes Stück weiter nach Norden dann Trinity State Beach, wunderschöner und wilder Strand mit bizarren Felsformationen, die man leicht als alte Frau, Indianer oder Affe identifizieren kann. Die Natur erweist sich als wahrer Künstler.

   

Wir fahren noch etwas nach Norden bis wir durch ein Zeichen „Elk Crossing“ gewarnt werden, welches sich zwar nicht als Elch- sondern als Hirschrudel erweist, welches friedlich neben der Straße grast. Elk ist die Bezeichnung für eine Hirschart, die deutlich größer als unser Rothirsch ist. Es müssen bald hundert Tiere gewesen sein. Dort haben wir uns dann ein Stück Waldbeertorte gegönnt, Kaffee getrunken und sind dann wieder zurück zu unseren Redwoods. Zum Abendessen probieren wir ein amerikanisches Fertiggericht aus der Mikrowelle, „Hungry Man Dinner“, ein totaler Reinfall! Erstens war man anschließend noch hungrig und zweitens war das Zeugs geschmacklich nicht gerade berühmt. Wir beschließen, die anderen beiden Fertiggerichte „irgendwann einmal später“ zu essen.
Wir sind mal wieder total müde, aber immerhin schaffen wir noch eine Weinprobe, der Californische Rotwein ist nicht schlecht.

Montag, 19.07.99

Wir haben den Kurs für die nächsten Tage abgesteckt, wir wollen nach Redding, an den Lake Shasta und den Mount Lassen Volcanic National Park. Die Fahrt nach Redding zieht sich lange hin, diverse Baustellen behindern uns. Die Seen im Lake Shasta Gebiet erweisen sich als traumhaft schön, Waltraut bemerkt zurecht, daß man die blaue Farbe der Seen sonst nur auf Postkarten geboten bekommt, und da ist sie meistens koloriert.
  
Hier hat die Natur koloriert! Bemerkenswert die Leere und Weite der Landschaft, man merkt, daß man aus den Ballungsgebieten heraus ist. das Klima hat sich auch deutlich verändert. War es an der Küste zwar sonnig, hatten wir doch immer angenehme Kühlung durch Wind vom Pazifik. Damit ist es jetzt vorbei, es wird richtig warm und wir lernen die Vorteile einer Klimaanlage schätzen. Unsere Erfahrungen mit dem Wohnmobil und den Campgrounds wachsen, wir kommen wirklich schon gut zurecht. der Benzinverbrauch hat sich bei 1 Gallone für 11 Meilen eingependelt, für europäische Verhältnisse sehr hoch, in den USA total normal. Man fragt sich als preis- und verbrauchsbewußter Autofahrer, ob das wirklich sein muss.

Dienstag, 20.07.99

Dadurch, daß wir abends immer so früh schlafen gehen - um 22:00 Uhr sind wir total kaputt - werden wir morgens sehr früh wach. Ich bereite regelmäßig zwischen 06:00 und 07:00 Uhr das Frühstück und einen Obstsalat für den Tag vor, gegen 07:00 Uhr steht Waltraut dann auf und gegen 08:00 Uhr sind wir startklar. Dadurch sind wir natürlich viel zu früh an den Shasta Höhlen, die wir heute besichtigen wollen. So ist erst einmal ein 2-stündiger Spaziergang am Lake Shasta fällig, traumhafte Seenlandschaft und viel Ruhe.
  
Nach dem Übersetzen mit einem großen Boot geht es erst einmal ins Gebirge, die Aussichten von oben auf den Lake Shasta werden immer phantastischer, der Weg immer steiler und enger, gut daß ich rechts sitze, dort geht es ganz schön in den Abgrund. Aber der Busfahrer hat uns bei seiner Vorstellung versichert, daß er den Bus schon seit mehr als 10 Jahren hier rauf fährt und daß er noch keinen Unfall gehabt hat! Die Höhlenbesichtigung ist nicht so kühl wie erwartet und die digitale Kamera ist in der Lage, Aufnahmen im Nahbereich zu machen. Erstaunt sind wir, als die Führerin zur Hälfte der Tour darauf hinweist, daß es jetzt 80 Stufen rauf und später wieder runter geht, verbunden mit der Aufforderung, derjenige mit gesundheitlichen Problemen möge bitte ausscheren und werde zum Eingang zurück begleitet. Die Dame, die sich daraufhin meldete, hatte einen entsprechenden Körperumfang.
Mittags dann Aufbruch in Richtung Norden zum Mount Shasta, schneebedeckt und immerhin mehr als 4000 m hoch. Danach geht es durch endlos scheinende Wälder, in denen man oft 10 und mehr Meilen im voraus die schnurgerade Straße sehen kann, zu den Burney Falls. Das sind die Wasserfälle, in denen die ersten Tarzanfilme mit Jonny Weismüller gedreht worden sind. Die Fälle sind ca. 40 m hoch, beeindruckend die Gewalt, mit der das Wasser buchstäblich herunterschießt.
  
Weiterfahrt dann zum Mount Lassen Volcanic National Park, benannt nach dem Mount Lassen, der von 1914 - 1917 aktiv war und seine Aschewolken mehr als 10 km hoch geblasen hat. Wir finden traumhaft schöne Seen, Wildreichtum und unberührte Landschaft pur.
Als wir Abends um den Manzanita Lake wandern, liegt nur 10 m neben unserem Weg ein Mule Dear (Maultierhirsch) und bleibt in aller Seelenruhe liegen, während wir vorbeiwandern. Von Eichhörnchen (Squirrels) werden wir bald umgelaufen.

Mittwoch, 21.07.99

Wir haben uns einen Plan für die nächsten Tage gemacht, und der sieht vor, durch den Park in Richtung Reno zu fahren, weiter nach Salt Lake City und dann in Richtung Norden zum Yellowstone National Park. Die Fahrt durch den noch schlafenden Lassen Volcanic Park ist wunderschön, unbekannte Hühner, Gänse und Hirsche in allen Formen, Farben und Arten.
  
Schöne Ausblicke rechts und links der Straße wechseln ab mit idyllischen Seen und vulkanischen Zerstörungen. Dabei klettern wir bis auf 2594 m und wollen dann zu Fuß noch höher hinauf, mich reizt es, in den Vulkan zu sehen. Kurz vor 3000 m Höhe müssen wir leider Schluß machen, ein Schneefeld erweist sich als zu gefährlich und ohne entsprechende Ausrüstung wollen wir kein Risiko eingehen. Erstaunlich, daß die Baumgrenze hier oberhalb 3000 m liegt, in den Alpen hören die Bäume schon 1000 m tiefer auf.
 
Im Südwesten des Parks dann Schwefelgeysire, die stinken wie 1000 faule Eier. Irgendwie gespenstisch, aus einem kleinen Loch Schwefeldampf entweichen zu sehen, die ganze Umgebung ist gelb-weißlich verfärbt, andere Löcher spucken in regelmäßigen Abständen. Wir verlassen den Park und auf geht es nach Reno, dem Heirats-, Scheidungs- und Spielerparadies. Wir fahren durch die Anfänge der Sierra Nevada, eine trockene Hochebene, die bereits wüstenhaften Charakter annimmt. Eben noch Wald soweit das Auge reicht, jetzt Wüste, dabei sind wir doch nur ein paar Meilen weiter gefahren. In Reno dann die erste Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wir lernen, daß man in den USA in den Bussen immer passendes Geld benötigt, der Schaffner kann nicht herausgeben. In Reno Bummel durch das Spielerparadies, ein Casino neben dem anderen, ausgestattet mit Spielen, die wir zum Teil nicht begreifen. Auffallend die große Anzahl älterer und zumeist extrem fetter Damen, die an den Slot - Maschinen sitzen und spielen. Die haben wohl alle ihre Ehemänner unter die Erde gebracht und „verzocken“ jetzt die Lebensversicherungen.

Donnerstag, 22.07.99

Eine große Etappe steht uns bevor, wir wollen von Reno nach Salt Lake City, der Mormonentadt des Brian Young. Das sind 400 Meilen Sierra Nevada und 100 Meilen Salzwüste, dazwischen verdammt viel Gegend und nur eine Hand voll kleinerer Dörfer.
  
Die Aussichten in der Sierra Nevada und auf der großen Salzwüste sind spektakulär. Wir sind auf der Interstate 80 mehr als 50 Meilen geradeaus ohne Bodenwelle und Abzweigungen gefahren, dabei das weiße Glitzern der getrockneten Salzseen und ein Horizont, der nicht näher zu kommen scheint. Die Hitze ist enorm, in der Sonne halten wir es kaum länger als eine Viertelstunde aus, dann treibt es uns wieder in den Wagen, in dem wir die Klimaanlage 1 Stufe höher stellen müssen.
  
Die Fahrerwechsel haben wir heute „im Fliegen“ gemacht, heißt: Ablösung bei Tempo 110 auf dem total leeren Highway. Abends waren es dann 560 Meilen sprich fast 1000 km geworden, wir waren ganz schön geschafft. Salt Lake City begucken wir uns morgen.

Freitag, 23.07.99

Salt Lake City, die Stadt der Heiligen der letzten Tage. Wir haben noch nie eine so saubere und gepflegte Großstadt gesehen, Parkanlagen inmitten von Hochhäusern, gepflegt, ohne Unkraut, alles künstlich bewässert und die Rasenkanten machen den Eindruck, als seien sie mit der Nagelschere bearbeitet worden. Trotz Hitze machen wir einen ausgedehnten Stadtbummel und der lohnt sich.

 

Das Kapitol des Staates Utah ist, wie in allen Hauptstädten, die wir gesehen haben, dem Kapitol in Washington nachempfunden. Auf einem Hügel, direkt neben dem Stadtzentrum gelegen, ist es selber ein monumentales Denkmal und der Ausblick von dort ist phänomenal. Die Kirchen der Mormonen sind riesig, das „Tabernakel“ ist auch architektonisch eine Wucht. Da kann man darüber hinwegsehen, daß es in ganz Utah in keinem Supermarkt Bier, Wein oder sonstigen Alkohol zu kaufen gibt, und alkoholfreien Sekt halten wir für rausgeschmissenes Geld.
Mittags geht es dann Richtung Norden, grobe Richtung auf den Yellowstone National Park hin. Unterwegs der Bear Lake und wenn wir auch noch keinen Bären gesehen haben, der See ist allererste Sahne. Blau wie auf den Postkarten. Gleichzeitig erwirbt Waltraut ihren ersten indianischen Schmuck.
In Paris, einem kleinen Ort am Bear Lake, eine Führung durch eine Mormonenkirche und eine lange Unterhaltung mit einem netten älteren Herrn, der uns die Kirche gezeigt hat und uns Erklärungen über deren Entstehungsgeschichte gegeben hat.
                             
Zum Abschluß ein Orgelkonzert von einem gebürtigen Schweden, der uns sein einziges ihm bekannte Deutsche Lied vorspielt, „Stille Nacht, heilige Nacht“ und das am 23. Juli. Wir haben volller Ergriffenheit gelauscht.
In Montpellier finden wir einen idyllisch gelegenen RV Park, leider finden die Mücken ihn auch gut.

Samstag, 24.07.99

Wir wollen in den Yellowstone National Park! Aber zuvor steht uns noch Jackson Hole ins Haus, edelkitschiger Nachbau einer Western Stadt, kein Wunder, daß Präsident Clinton sich hier so wohl fühlt, er soll hier ein gern gesehener Gast sein. Das Outfit der Stadt ist entsprechend und die Preise auch. Trotzdem, ein Bummel durch die Stadt und ihre Läden mußte sein.
Wir buchen uns südlich des Grand Teton National Park in einem RV Park ein und dann geht es los. Traumhafte Fluß- und Seenlandschaften im Grand Teton National Park, wir bewundern Natur vom Allerfeinsten. Nur unseren Bären haben wir noch nicht gesehen. Aber sonst wird uns heute noch einiges geboten. Ein Moose Bull (Elchbulle) 30 m rechts der Straße macht den Anfang, wir werden darauf aufmerksam durch wild bremsende und haltende Autos sowie einsatzbereite Kameras.
  
Das soll uns später noch öfter passieren. Moose Bull ist ein dunkelbraun bis schwarz gefärbter Elch, groß und anscheinend total friedlich. Anschließend die erste Geysirlandschaft, West Thumb, direkt neben dem Yellowstone Lake. Es ist alles ein bißchen unheimlich, es spritzt, blubbert, brodelt und kocht so leise vor sich hin. Jeder Geysir hat da so seine Eigenart und seine spezielle Farbe. Zahlreiche Wildspuren und Hinweise auf Bisons und Bären sind zu sehen, aber noch nichts live zu sehen.
               

Phantastisch dann der „Old Faithful“, der im Ruhezustand so leise vor sich hin dampft, dann ein erstes Zischen und eine kleine Fontäne, danach hat man den Eindruck, daß er sich wieder zur Ruhe begeben hat. Und dann legt er richtig los! Wasserfontänen bis zu 20 und 25 m Höhe, ich habe Mühe, mit dem Zoom der Kamera mitzukommen.Wir sehen und photographieren wieder zwei von den superdicken Weibern, ab jetzt klassifizieren wir sie in Hamburger, Doppel Whopper und Big Mac. Die beiden sind Doppel Whopper. Auf der Rückfahrt dann Moose Cow und Calf, insbesondere das Kalb sieht aufgrund seiner unmöglichen Proportionen etwas stark kopflastig aus. Außerdem haben wir die kontinentale Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik überquert, immerhin bald 2500 m hoch.

   Da wir schon spät dran sind, entschließen wir uns, nicht mehr selbst zu kochen sondern im Restaurant zu essen. Ich esse Pasta mit Sea Food und Waltraut verkleinert das „All You Can Eat“ Büfett um diverse Salatportionen. Beeindruckend die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit des Kellners, die zwar „trinkgeldorientiert“ ist, aber in Bezug auf Service Extraklasse darstellt. Ein gelungener Abschluß für einen Tag, wie er besser nicht sein könnte.

Sonntag, 25.07.99

Der Yellowstone National Park ist überwältigend, auch wenn wir im Laufe des heutigen Tages die Schäden, die ein Brand vor mehr als 10 Jahren angerichtet hat, sehr deutlich zu sehen bekommen. Annähernd 50 % der Waldfläche des Parks wurden damals zerstört, da die Politik der Park Ranger war und ist, alles wirken zu lassen, was Natur ist. Und so wurde der Waldbrand nicht gelöscht, man ließ das Feuer sich austoben, für mich persönlich eine nicht zu verstehende Maßnahme.
Kaum hatten wir den Old Faithful vom Vortag erreicht, stand rechts der Straße der erste Bison, ein gewaltiges Urvieh. Leider blieb kaum Zeit, ihn auf der Diskette zu verewigen, er verschwand, Staub um sich herum verbreitend, im Wald.
  
Die nächsten Geysire nur wenige Meilen weiter nördlich und ein breiter Lavastrom erinnert daran, daß wir uns in vulkanischem Gebiet befinden. Bei Mammoth Hot Springs dann besonders ausgefallene Formen.
  
Als ob jemand Pasteten gebacken und zu hunderten übereinander getürmt hätte, Farben von braun über gelb bis hin zu weiß, die Wanderung durch diese Formen- und Farbenvielfalt ist wunderschön. Mittendrin dann drei schlafende Elkkühe, unberührt davon, dass die Touristen sich in 10 m Entfernung darum drängeln, sie zu photographieren. Als wir dann kurz darauf eine größere Herde in unmittelbarer Nähe des Touristenzentrums sehen, ist uns klar, daß von dieser Herde jeden Tag 3 Tiere abkommandiert werden, die für die Touristen „posieren“ müssen.
Mittlerweile haben wir den nördlichsten Punkt unserer großen Acht erreicht, bei einer Nord - Süd - Ausdehnung des Parks von 100 km und einer Ost - West - Ausdehnung von mehr als 80 km ist das ein gewaltiger Turn. Kurz danach wieder ein Elchbulle, ein ausgewachsenes Exemplar. Weiter geht es zum „Tower“ und wir genießen den ersten Anblick eines Canyons. Viel interessanter ist aber der Anblick der Felstürme, die von der Natur ausgewaschen sind und gleichzeitig aber so regelmäßig dastehen, als ob sie von Menschenhand geschaffen und ausgerichtet worden sind. Der Höhepunkt unserer heutigen Rundtour ist aber der Canyon des Yellowstone River, in den Farben orange, gelb und weiß getönt, atemberaubend steil an den Wänden und mit einem Wasserfall der Extraklasse.
                      
Die Kamera kann nicht so schnell speichern, wie man neue Motive entdeckt. Den unteren Wasserfall sehen wir uns genauer an, man kann auf einem Wanderweg so nah heran, daß man praktisch über der Abbruchkante steht und fast senkrecht auf das fallende Wasser hinunter schaut. Hier wird auch deutlich, warum der Fluß seinen Namen Yellowstone bekommen hat, der Farbenreichtum der Felsen ist ungeheuer.
Auf der Rückfahrt dann der tierische Höhepunkt des heutigen Tages, ein Elkbulle grast direkt neben der Straße.
                              
Ein Auflauf von haltenden Fahrzeugen, ein Park Ranger, der den Straßenverkehr regelt und dann halten wir natürlich auch, um das gewaltige Tier zu photographieren. Abends stellen wir fest, daß wir annähernd 300 Meilen gefahren sind, das verdeutlicht die Ausmaße des ältesten Naturparks der Welt, der bereits 1872 als Naturschutzgebiet eingerichtet wurde.

Montag, 26.07.99

Wir fahren zum dritten Mal in den Park und damit hat sich endgültig der „Golden Eagle Pass“ amortisiert. Dieser Pass ist eine Jahreskarte, die 50 $ für ein Fahrzeug mit 2 Personen kostet, gültig für alle National Parks und National Monuments in den USA und bei einem Einzeleintritt von 20 $ hat man bei 3 Tagen Yellowstone Park die Investition wieder heraus. Wir wollen nach einem letzten Blick auf Elche, den wunderschönen Yellowstone Lake und die atemberaubende Fernsicht zu den Big Horn Mountains und weiter zum Mount Rushmore, die in Stein gehauenen Präsidenten bewundern. Dazwischen jedoch erst einmal „Cowboyland“, in Cody verbringen wir 2 Stunden im Museum und genießen altes Cowboy und Indianer Outfit. Cowboyland heißt, vertrocknetes Gras, leicht wellige Ebenen und kaum Bevölkerung. Ab und zu mal Rindviecher, die dann aber sofort in Massen auftreten. Dann erscheinen am Horizont die Big Horn Mountains, Erinnerungen an die Niederlage General Custers bei Little Big Horn werden wach.
  
Es ist ein wildes Bergland, interessante Felsformationen, farbenreich gemalt. So ganz nebenbei klettern wir von 1.000 m Höhe auf annähernd 3.000 m Höhe. An der Landschaft merkt man das nicht, die Hochtäler sehen aus wie die Schwäbische Alp, Rinder grasen wie im Allgäu. Unsere Feststellungen hinsichtlich der Baumgrenze in den Rocky Mountains treffen erneut zu. In Sheridan, früher und heute Eisenbahnknotenpunkt, ziehen wir im RV Park unter, dabei bemerken wir in der allabendlichen Lagefeststellung, daß wir das Schlachtfeld General Custers verpaßt haben, aber deshalb noch mal zurück fahren wollten wir auch nicht.

Dienstag, 27.07.99

Aufbruch nach Sheridan und Suche nach einem angeblich restaurierten Fort. Die Suche war vergeblich, die Ausschilderung haute wohl nicht so ganz hin oder wir waren zu bescheuert, sie zu begreifen. Als wir weitergefahren waren und schon einige Meilen zurückgelegt hatten, stolperten wir dann doch noch über das „Fort“, das einzige, was restauriert war, war ein Gedenkstein und eine Garage. Mit anderen Worten, eine Lachnummer. Also ab auf die Interstate 90 und los in Richtung Rapid City. Im Ort soll es einen bekannten Laden für Western Outfit und Lederbekleidung geben. Auf der Suche danach finden wir rein zufällig schon die Straße, die zum Mount Rushmore führt.
Und dann schlägt Waltrauts große Stunde. Werksverkauf für Schmuck und als ich gerade den Wagen wende, sehen wir auch noch die Ausschilderung für den Western Outlet. Outlets oder auch Outlet Malls sind Geschäfte, die Markenartikel zu Diskontpreisen verkaufen. Waltraut ersteht 2 schöne Silberketten und wir kaufen für unsere Söhne 2 echte Jeans - Ledergürtel. Darüber hinaus haben wir dann noch einen Laden für Indianerschmuck besichtigt, der Tag war für Waltraut gelaufen.
Danach dann endlich Mount Rushmore, die in Stein gehauenen Präsidenten sind riesig und eindrucksvoll.
  
Wir stellen uns so den Aufstand vor, der in der Bundesrepublik ausbrechen würde, wenn jemand auf die Idee käme, einen Berg umzugestalten um vielleicht einen deutschen Bundeskanzler dort zu verewigen. So etwas ist halt nur in den USA möglich. Aufgrund der Bullenhitze, es dürften annähernd 40° C im Schatten sein, entschließen wir uns, nicht auf den Berg zu krabbeln, die Ansicht von hier unten aus ist auch nicht schlecht.
Als Zugabe einige Meilen weiter das Crazy Horse Monument, der aus einem Berg geformte Indianer, der an Größe das Mount Rushmore Monument noch übertreffen wird, an dem seit 50 Jahren auf privater Grundlage gearbeitet wird und welches erst in 20 oder mehr Jahren fertig sein wird. Der „Bildhauer“, der das Werk begonnen hat, lebt schon seit einiger Zeit nicht mehr, aber aufgrund der Eintrittspreise und der Andenkenindustrie, die sich rundherum aufgebaut hat, bin ich sicher, daß dieses Monument irgendwann einmal fertig wird. Dieses ist dann das größte je von Menschenhand geschaffene Kunstwerk auf der gesamten Welt, die Amerikaner geben sich halt nicht mit Kleinigkeiten ab.

Mittwoch, 28.07.99

Später Aufbruch, da ich ausnahmsweise mal bis 07:30 im Bett gelegen habe und Waltraut das Frühstück zubereitet hat. Wir fahren aus den Black Hills heraus in die endlose Prairie, ab und zu mal Hinweisschilder auf Farmen, Rindviecher und 80 Meilen bis zum nächsten Ort. Gegen Mittag sind wir in Fort Laramie und besichtigen das, was man in den USA so Historie nennt, es ist halt noch nicht so lange her, daß hier Indianerkämpfe stattgefunden haben.
  
Anschließend braut sich ein kräftiges Gewitter zusammen und wir haben den ersten Regen seit unserer Ankunft. Dabei gelingt eine herrliche Aufnahme von einem Blitz. In Cheyenne dann erst einmal wieder ein Outlet Store, fast noch wichtiger als unser RV Park. Zwei Sommerhemden für Waltraut sind fällig, bei der Bullenhitze kann man die gut gebrauchen. In Cheyenne finden in der letzten Juliwoche Rodeos statt und wir entschließen uns, hier einmal richtig Cowboyluft zu schnuppern. Morgen wollen wir tagsüber noch in Cheyenne bleiben und uns das Rodeo ansehen.
Abends sehen wir in der Nähe wieder Züge vorbeifahren, die in den Weiten des Westens endlos lang erscheinen. Wir zählen bis zu 124 beladene Wagen und 4 Lokomotiven davor, diese Züge dürften ein Gesamtgewicht von 4.000 t und mehr haben und bis zu 1,5 km lang sein.

Donnerstag, 29.07.99

Da wir zu früh für den „Park und Ride Service“ in der Stadt waren, sind wir einfach zum Stadion gefahren, haben dort für das gleiche Geld geparkt, wie es der Park und Ride Service haben wollte. Da das Rodeo erst Mittags beginnt, haben wir uns in Richtung Innenstadt begeben und das erwies sich als Glücksfall. Wir haben ausgerechnet die Straße erwischt, auf der ein Umzug von historischen Pferdekutschen und Wagen stattfand.
  
50 historische Wagen mit bis zu 8 Pferden bespannt von der Post über den Geldtransport bis hin zum Leichenbestatter zogen fröhlich winkend und grüßend an uns vorbei. Ein Riesenspektakel - natürlich auch, um die Werbepartner richtig in Szene zu setzen.
Nachmittags ging es dann los. Beim Indianerdorf haben wir uns erst noch indianische Tänze angesehen, indianisches „Taco“ gegessen und Schmuck betrachtet, danach ging es dann so richtig los. Es wurden wirklich alle „Westernsportarten“ vom Bull-Riding über Calf-Roping bis zum Reiten wilder Pferde ohne Sattel - Horse Back Riding - geboten.
  
Ein riesiges Gaudi und auch ohne Stetson haben wir das Spektakel genossen.
Danach dann ein kurzer 1 - Stunden - Trip nach Loveland, kurz vor dem Eintritt in den Rocky Mountains National Park gelegen. Der RV Park war kaum bezogen, da waren wir auch schon unterwegs in die nahe gelegene Outlet Mall. Der Einkaufsbummel war nicht so berühmt, immerhin sind für unsere Söhne jeweils 1 Paar Jeans herausgesprungen. Dafür war das Steak mit Backkartoffel und Salatteller im angrenzenden Steakhouse Weltklasse. Die Bedienung wie immer freundlich und auf unsere Frage nach einer fettfreien Salatsauce bekamen wir zu hören, in diesem Restaurant mache man die Saucen noch selber und die seien sehr lecker und voller Fett. Sie waren wirklich sehr lecker!!

Freitag, 30.07.99

Von Loveland aus geht es los in die „richtigen“ Rocky Mountains. Der Höhenunterschied ist gewaltig, wir klettern von etwas mehr als 1.000 m aus in Höhen bis zu 3.700 m, so hoch waren wir in den Alpen nicht einmal zu Fuß, geschweige denn mit einem Wohnmobil.
  
Hier ist das alles sehr selbstverständlich, die Schneegrenze existiert praktisch nicht, nur ein paar kleine Flecken in schattigen Einschnitten, und die Baumgrenze ist erst bei 3.500 m erreicht. Die Aussicht auf jede Menge 4.000er und wilde, urige Landschaft ist phantastisch, zwischendurch wieder mit Mule Dears und anderen Viechern bestückt. Mir gelingen ein paar schöne Nahaufnahmen von den Chipmunks.
  
Die Abfahrt führt runter nach Grand Lake, wir fühlen uns an Jackson Hole erinnert, der ach so beliebte Kitsch ist an allen Ecken und Enden zu kaufen. Zuvor schlägt Waltraut aber wieder zu, der Indianerschmuck muß erst einmal wieder begutachtet und natürlich gekauft werden.
Auf der Interstate 70 geht es dann in Richtung Westen, wir wissen zwar noch nicht so genau, wo wir übernachten wollen, aber etwas wird sich schon finden. Unterwegs der Eisenhower Tunnel, in 3.500 m wird hier das Gebirgsmassiv 4-spurig durchfahren. Wo gibt es so etwas sonst noch in diesen Höhen? Die Abfahrt hat dann sogar 3 Spuren in jeder Richtung. Übernachtung in einem total abgelegenen Campground im ehemaligen Silberabbaugebiet bei Silverthorne.

Samstag, 31.07.99

Der Morgen im Campground ist herrlich und im Morgenlicht sind wir von der Stille und der Schönheit des Sonnenaufgangs beeindruckt.
                                
Danach dann der Aufbruch nach Leadville, einer Bergbaustadt hoch in den Rocky Mountains. Ausnahmsweise gönnen wir uns mal die Besichtigung eines Museums, denn hier wird auch viel über die Gold- und Silbergewinnung in dieser Region gezeigt. Viele im wahrsten Sinne des Wortes kostbare Ausstellungsstücke, dabei eine ganze Menge „richtiges“ Gold, unter anderem ein 1 ½ Pfund schwerer Nugget. Danach wieder ein kräftiger Anstieg auf den 3.700 m hohen Independence Paß. Waltraut bemerkt zu Recht, daß man die Namengebung begreifen kann, man fühlt sich hier oben wirklich frei und unabhängig.
  
Die umliegenden 4.000er laden förmlich zu einem Spaziergang ein, sanfte Wiesen und kaum steile Abhänge ließen ohne Probleme eine Tour auf weit mehr als 4.000 m zu. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, ausnahmsweise regnet es einmal und es ist auch recht kühl. Unterwegs dann bei der Abfahrt ein Murmeltier, ganz wie in den Alpen. Leider verschwindet es zu schnell, als daß ich es auf Diskette bannen könnte. Dann weiter ins Tal nach Aspen, mondäner Erholungsort des Jet Sets. Glücklicherweise finden wir keinen Parkplatz, so sehen wir uns nur ein paar schöne Villen an. Die Erholung scheint hier nur aus Shopping zu bestehen, jede Menge Läden, in denen überteuerter Schnickschnack verkauft wird. Wir kommen früh in den RV Park bei Basalt, so können wir in Ruhe den Waschsalon ausprobieren. In einer Stunde sind 4 Maschinen Wäsche gewaschen und getrocknet, das klappt wie am Schnürchen und beweist uns, das wir viel zu viel Wäsche mitgenommen haben.

Sonntag, 01.08.99

Zwei mal Schreck in der Morgenstunde: Ich habe etwas Durchfall und beim Ablassen des Toilettentanks rutscht der Schlauch von der Halterung. Schöne Sch...! Nachdem die Katastrophe beseitigt und der Schlauch repariert war, geht es auf nach Glenwood Springs, ein Ort von dem wir noch nie gehört hatten, aber das Grab von Doc Holliday mußten wir besichtigen.                       


Schließlich hat Waltraut geglaubt, es handle sich bei dem Westernhelden nur um eine Erfindung.
In südlicher Richtung geht es weiter und aus den Rockies heraus, die Landschaft wird wieder trockener und erinnert uns an die Sierra Nevada. Wir entschließen uns, von der Hauptstraße abzubiegen und den Black Canyon of the Gunnison River zu besichtigen. Meilenweit ziehen wir auf der nicht asphaltierten Straße Staubfahnen hinter uns her und dann sind wir am Canyon.
                                 
Den Einschnitt sieht man aus wenigen hundert Metern Entfernung nicht, erst wenn man unmittelbar am Einschnitt steht, sieht man den Canyon. 800 m tief mit fast senkrechten Wänden, aufgrund der dunklen Felsformationen und des fast schwarzen Gesteins wird uns schnell klar, warum der Canyon „Black“ genannt wird. Von den Aussichtspunkten sieht man annähernd senkrecht nach unten. Im Fluß fahren Boote, die aber nur als sich bewegende Punkte zu sehen sind, nicht zum ersten Mal bedauern wir, kein Fernglas mitgenommen zu haben. Bei der nächsten Tour sind wir schlauer. Nach dem Abendessen im Campground strömender Regen, uns stört es nicht, der Wagen ist schließlich dicht.

Montag, 02.08.99

Auf in Richtung Goldgräberland. Vorbei am Blue Mesa Lake, einige Postkartenansichten, wie sie besser nicht sein könnten. Wir sehen die ersten „Burgen“, Felsformationen, die durch Wasser so geformt sind, als seien sie in grauer Vorzeit von Menschenhand geschaffen worden und im Laufe der Jahrhunderte dann verwittert. Es geht mal wieder hoch, diesmal in die San Juan Mountains, Passstraßen bis 3.500 m Höhe, rechts und links verfallene Minen, in denen Gold und Silber abgebaut wurde.
  

Mittlerweile ist ein Programm ins Leben gerufen worden, welches der Wiederherstellung dieses Tals dient, die katastrophalen Folgen des unkontrollierten Abbaus für die Natur sind deutlich zu sehen. Große Abraumhalden, eine zerstörte Flußlandschaft und abgeholzte Hänge sind unsere Begleiter. Dann treffen wir in Silverton ein, dort wurde bis in die 90er Jahre hinein Gold abgebaut.
  

Heute lebt - und überlebt - die Stadt vom Tourismus, und wie! Abgesehen von den normalen Touristen, die hier in Scharen durchkommen, treffen jeden Tag einige historische Züge von Durango aus ein, die haufenweise Touristen herankarren. Wir erleben die Ankunft dieser Züge live in der Hauptstraße, ich fühle mich an „Railroad Tycoon“ erinnert, die Lokomotiven stammen aus den ersten Jahren dieses Jahrhunderts. Der Ort selbst besteht zu 50 % aus Restaurants und die andere Hälfte sind Andenkenläden und diverse Shops. Wir finden - natürlich - einen Laden, der wegen Geschäftsaufgabe die Preise um 50 % gesenkt hat und so komme ich zu einem neuen Gürtel für meine Jeans und Waltraut zu diversen bunten Tüchern. Nachmittags dann Weiterfahrt nach Durango, altes Westernstädtchen mit schmucken Häusern. Wir essen „westerngerecht“ in einem uralten Steakhaus. Ich gönne mir Steak mit Lobster und King Crabs. Auf die riesige Portion war ich nicht vorbereitet, und nach dem Bezahlen wußten wir, warum in der Speisekarte kein Preis für dieses Gericht eingetragen war, sondern nur der Hinweis, der Preis des Steaks richtet sich nach dem jeweiligen Goldpreis. Dieser muß wohl an dem Tag sehr hoch gewesen sein. Wir haben unseren fälligen Ölwechsel beim RV durchgeführt und zum Nachtisch gönnen wir uns im KOA noch eine Riesenportion Eis. Wer rollt uns zum Auto?

Dienstag, 03.08.99

Der Tag beginnt mit Dauerregen, aber was soll’s? Im nachhinein stellen wir fest, daß es der letzte Regentag während unseres Urlaubs ist. Schneller Transfer nach Cortez, Einkaufen für die nächsten Tage und um 10 Uhr stürmt Waltraut den ersten Navajo-Schmuckladen. Preisermäßigungen bis zu 50 % lassen sie erbarmungslos zuschlagen. Den Anfang macht eine große Reisetasche, damit die Einkäufe auch hinein passen. Wir werden wohl zu Hause einen Basar veranstalten müssen, soviel Schmuck haben wir mittlerweile zusammengekauft. Christians Jagdmesser und diverse Jeansgürtel passen auch noch in die Tasche. Hoffentlich können wir all die schönen Sachen noch in unseren Koffern beim Rückflug unterbringen. Danach einbuchen im RV Park und los geht’s zum Monument Valley. Rechts und links der Straße werden die Felsen und Berge zunehmend rot und es wird sehr einsam auf der Straße. Als wir das Schild „Watch for Animals next 157 Miles“ sehen, wissen wir, was uns in den nächsten Stunden blüht. Leere und einsame Landschaft, alle 10 Minuten mal ein Auto und ansonsten nichts. Die rechts und links aufragenden Türme sind schon beeindruckend, aber das „Monument Valley“ ist super.
  
All die bizarren Felsformationen in Rot, einsam aufragende Finger und Zacken in Formationen, die kein Bildhauer besser formen könnte, sehen wir live, nachdem man sie in zahllosen Filmen bereits auf der Mattscheibe gesehen hat.
                                  
Auf dem Rückweg nehmen wir eine Abkürzung nach dem Motto „wir wissen zwar noch nicht wo wir auskommen, aber etwas Abenteuer kann nicht schaden“. Es hat sich gelohnt, die Fülle der Formen und Farben ist beeindruckend.
                                 
Abends in Cortez dann Indianertänze im Kulturzentrum, ein gelungener Abschluß für einen schönen Tag.

Mittwoch, 04.08.99

Mesa Verde Nationalpark. Wir wissen außer den Bildern im Marco Polo Reiseführer nicht so recht, was uns in diesem Park eigentlich erwartet, aber neugierig wie wir sind, geht es los auf das Plateau in 2.000 m Höhe hinauf. Gut, daß wir früh losgefahren sind, wir brauchen am Eingang „nur“ 10 Minuten auf unsere Buchungen für 2 Führungen zu warten. Als wir den Port verlassen, ist die Warteschlange bereits endlos geworden. Danach dann wunderschöne Besichtigungen der Indianerkultur, die im 13. Jahrhundert so sang- und klanglos verschwunden ist. Die Bauten sind deshalb so phantastisch erhalten, weil sie zum größten Teil unter überhängenden Felsen erbaut sind und somit Schutz vor Wind und Wetter bieten.
  
Darüber hinaus waren sie bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts praktisch unbekannt und sind erst damals „wieder entdeckt“ worden, so daß hier lange keine Besiedlungen und insbesondere keine Zerstörungen stattgefunden haben. Zuerst waren wir bei der Beschreibung der beiden Touren etwas geschockt, es wurde mehrmals und deutlich vor langen und steilen Aufstiegen gewarnt, Herzkranke sollten diese Touren nicht mitmachen und einiges mehr. Wir haben ernsthaft überlegt, wie anstrengend diese Touren sein würden und ob wir das richtige Schuhwerk mit dabei haben. Dann stellten wir während der Besichtigungen fest, daß es mal 30 oder 50 Treppenstufen oder 500 m langsames Gehen mit leichter Steigung waren.
  
Vor diesen „gewaltigen“ Anstrengungen wurde gewarnt, bei der zum Teil sehr übergewichtigen Bevölkerung und der hohen „Rechtsanwaltdichte“ in den USA vermutlich für diesen Personenkreis zu Recht. Am Wegesrand viele kleine Schönheiten, die ich als Stilleben aus Kakteen, Blüten und Gesteinsformationen auf der Diskette verewigt habe. Zwischen den Besichtigungen bleibt uns genug Zeit, unsere letzten Mikrowellengerichte zu vertilgen, glatte Fehleinkäufe und auf keinen Fall zu empfehlen. Überhaupt sollte an dieser Stelle mal etwas zum Einkaufen gesagt werden, weil das in den USA etwas Besonderes ist. Selbst in kleineren Städten findet man sogenannte Malls, zumeist große Parkplätze mit bis zu 30 oder 40 Läden, dabei Supermärkte, die zumeist größeren Ketten angehören und für Kunden mit entsprechenden Einkaufskarten Verbilligungen und Sonderangebote bereithalten. Wir hatte diese Karten natürlich nicht, einmal sind wir jedoch in den Genuß eines solchen Rabattes gekommen, weil ich auf die entsprechende Frage der Kassiererin erklärt habe, wir seien aus Deutschland und dieser Supermarkt sei dort nicht vertreten; denn sonst wäre ich natürlich Inhaber einer solchen Bonus-Card. Daraufhin hat die Kassiererin gelacht, ihre eigene Karte eingegeben und wir hatten 10 % Rabatt. Sehr nett. Ansonsten kann man in diesen Märkten wirklich alles kaufen, die Preise sind verglichen mit Deutschland sehr hoch mit Ausnahme von Fleisch und Fleischprodukten. Allerdings sollte man die Inhaltsangaben auf den Verpackungen sehr genau lesen. In vielen Dingen ist Zucker, der gar nicht da drin sein sollte. Zum Beispiel ist der „Naturjoghurt“ mit etwa 25 g Zucker pro Becher „belastet“ und ein normales Brot mit bis zu 6 g pro Scheibe. Dafür gibt es viele Dinge, die fettarm oder fettfrei hergestellt werden, da ist dann die Ernährung nicht ganz so ungesund. Insgesamt sind wir auch ohne das ach so berühmte Fast Food ausgekommen, allerdings haben wir es uns nicht nehmen lassen, die großen Fast Food Ketten einmal auszuprobieren. Dabei haben wir uns Mac Donalds aufgrund unserer Vorkenntnisse in Deutschland geschenkt. Wendys, Taco Bell und Burger King waren akzeptabel, wenn man für Fast Food schwärmt.

Donnerstag, 05.08.99

Wir fahren etwas verspätet ab, wir haben nach dem anstrengenden und langen Tag einfach verschlafen. Zum Mittagessen sind wir wie geplant in Moab und haben den Campground bereits fest gebucht. Mittagessen bei Wendys, das erste Testessen bei einer Fast Food Kette. Es geht so, denn dem ausgezeichneten Salat folgt die Pepper Cola, die ich schon in Sarajevo nicht mochte, und der Hamburger ist wirklich nicht mehr als genießbar, ein Hobby wird das nicht. Nachmittags geht es los in den Arches National Park, wir erleben die Fortsetzung des Monument Valley nur in noch viel zahlreicheren Formationen.
                                 
Die Naturbrücken sind wirklich einmalig und unser 8 km Marsch durch den hinteren Teil des Parks hat sich wirklich gelohnt. Besonders beeindruckend Landscape Arch, mit 96 m Spannweite die größte Naturbrücke auf der Welt. Bei einigen der Naturdenkmäler läßt sich bereits absehen, wann sie verschwunden sind, der jährliche Abrieb mag zwar nur einige Millimeter betragen, aber der Balance Rock fällt irgendwann und die Landscape Arch ist bereits verdammt dünn.
  
Der Rückweg im Regen gestaltet sich nicht so nett, auf den Felsen ist es zum Teil ziemlich rutschig. Zurück beim Wagen wartet auf uns ein Prairiewolf, der von unserem verspätetem Mittagessen etwas ab haben wollte. Hier wie überall in den National-Parks gilt aber zu Recht: Füttern verboten!
                              
Als Belohnung für den langen und anstrengenden Tag gibt es abends ein großes Steak, der Tag kann als voller Erfolg gebucht werden. Außerdem beschließen wir, dass zu einem "Abenteuerurlaub" auch eine Fahrt mit dem Schlauchboot auf dem Colorado River gehört, das Spektakel wollen wir uns antun. Die „Rafting Tour“ für Morgen ist bereits gebucht.

Freitag, 06.08.99

Das „Rafting Abenteuer“ kann beginnen. Zuerst werden die Schwimmwesten ausprobiert und dann geht es zusammen mit einer ganzen Busladung zum Colorado River. Boot und Führer sind schon da und werden von uns schnell gefunden. Im Boot liegen Eimer und wir glaubten, dass diese zum Schöpfen da sind, falls wir einmal an einer Stromschnelle Wasser übernehmen.
  
Weit gefehlt, die sind dazu da, sich mit anderen Bootsbesatzungen wilde Wasserschlachten auf dem Colorado River zu liefern und die jeweiligen Gegner von oben bis unten naß zu machen. Nach 10 Minuten sind wir total durchnäßt und erlernen so langsam Techniken, auch größere Distanzen mit Wasserladungen zu überwinden. Ansonsten ist die Fahrt herrlich und das Wasser angenehm warm. Die Stromschnellen sind bei weitem nicht so gefährlich wie sie aussehen und so wird es ein gemütlicher Vormittag.
  
Die Aussichten auf Bergmonumente sind phantastisch, eine Fahrt zum Genießen. Mittags sind wir zurück und froh, unsere nassen Sachen loszuwerden. Schön, wenn man seine Wohnung immer mit sich führt. Dann geht es los in die vom Marco Polo Reiseführer empfohlene Micro-Brewery und diese Empfehlung sollte sich als toller Tip erweisen. Portionen, um Großfamilien satt zu kriegen, Waltrauts Taco mit Chicken und diversen Salaten haben wir so gerade zu zweit geschafft. Das Bier war auch ausgezeichnet und das soll in den USA was bedeuten, denn der Witz, was in den USA Kaffee, Bier und Sex in einem Kanu gemeinsam haben, nämlich die Nähe zum Wasser, trifft auf die üblichen Biersorten gnadenlos zu. Millers, Budweiser und Koors kann man getrost vergessen. Der Preis von 17 $ für Essen und Getränke war dann fast eine Lachnummer. Diese Empfehlung von Marco Polo ist super. Nachmittags geht es weiter in den Canyonlands National Park, schwindelerregende Tiefen und steile Schluchten.
  
Wir wollen uns aber nicht zu lange dort aufhalten, die nächsten Tage bringen uns noch genug Canyons in allen Formen, Farben und Arten. Abends fahren wir noch ein paar Meilen nach Green River, wir müssen unsere Vorräte auffüllen. Wir finden zwar den Campground aber die Einkaufsmöglichkeiten sind begrenzt. 5 Motels. 5 Tankstellen und 1 Tante Emma Laden, in dem das Wort "Frische" unbekannt war, ließen uns ein hartes Wochenende erwarten, die nächste größere Stadt ist etwa 200 Meilen entfernt. Zum Glück haben wir seit unseren Erfahrungen in Utah genug Wein.

Samstag, 07.08.99

Aufbruch in die Wüste! Auf 100 Meilen eine Handvoll Autos, 4 Antilopen und jede Menge Gegend.
  
Die einzige Ortschaft in den ersten 2 Stunden besteht aus ein paar Hütten in einem Flusstal, einigen Bäume und dann sind wir wieder ziemlich einsam unterwegs. Der Capitol Reef National Park bringt uns tolle Gesteins- und Sandsteinformationen, die indianischen Zeichnungen, mehr als 1000 Jahre alt, sind sehr gut erhalten.
  
Ihre Schöpfer sind aus unbekannten Gründen vor ca. 800 Jahren verschwunden. Kennzeichnend für gute touristische Vermarktung, daß ein funkelnagelneuer Holzsteg über mehr als 100 m zu den Zeichnungen führt, wo es ein kleiner Pfad auch getan hätte. Der Escalante State Park führt die wilde Landschaft weiter fort, aber die richtigen Highlights sollen erst noch kommen. Der Bryce Canyon National Park wartet auf uns.
                                 
Gesteinsformationen von Orange über alle Zwischentöne bis Hellgelb und Weiß, wir hatten keine Ahnung, daß solche Farben in der Natur vorkommen können. Der Park kommt uns so vor, als ob jemand vor vielen Jahren unzählige Burgen tiefgestaffelt hintereinander gebaut hätte, die mittlerweile durch Erosion und Verwitterung verfallen sind, aber noch an alte Pracht erinnern.
  
Eine Unzahl von kleinen und großen Zinnen, Wachtürmen und Burgruinen, deren Farbenpracht den Bryce Canyon zum schönsten seiner Art machen. Er ist bestimmt nicht so imposant und riesig, wie der Grand Canyon, aber bei weitem schöner anzusehen. Abends leisten wir uns Steak und Salat im Restaurant. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Sonntag, 08.08.99

Unsere Befürchtungen hinsichtlich des kargen Wochenendes werden zerstreut, wir finden an der Grenze zu Arizona einen kleinen Ort mit einem reichhaltig ausgestatteten Supermarkt, der, wie könnte es anders sein, am Sonntag von morgens bis abends geöffnet ist. Wohlversorgt geht es zum Grand Canyon National Park. Während der Anfahrt zum Nordplateau fällt uns gar nicht auf, daß wir uns wieder in Höhen von 2.000 bis 2.500 m befinden. Der Grand Canyon selbst ist überwältigend, wir vergessen alles, was wir vorher an Schluchten und Einschnitten gesehen haben.
  
1400 m Tiefe und 13 km Breite, dazwischen aufragende Türme, ganz klein und tief unten der Colorado River, einfach gigantisch. Wir beschließen, uns erst einmal auf die Nordseite zu konzentrieren. Einen Hubschrauberrundflug und die Südseite heben wir uns für Morgen auf. Beim Mittagessen auf einem kleinen Picknickplatz sitzt ca. 10 m von uns entfernt ein amerikanisches Ehepaar und ißt ebenfalls dort. Direkt neben ihnen tritt eine Hirschkuh aus dem Wald und „schleicht“ um das Ehepaar herum, bis sie endlich unmittelbar neben ihnen am Tisch ist. Die beiden sind genauso wie wir total begeistert. Ich mache 4 Aufnahmen mit der digitalen Kamera und schenke ihnen, nachdem sie bestätigt hatten, zu Hause einen PC zu haben, die Diskette. Ich glaube, die beiden haben sich darüber sehr gefreut. Leider habe ich dabei vergessen, mir selber eine Kopie zu machen. Wir fahren langsam von Übersichtspunkt zu Übersichtspunkt und bewundern die phantastische Aussicht.
  
Punkte wie Point Imperial, Walhalla Overlook, Wishnu Tempel oder Wotans Thron sagen uns jetzt etwas. Die steilen Abgründe sind aber auch so tief, daß selbst ich mich festhalten muß, um mal `runter zu sehen, obwohl ich normalerweise schwindelfrei bin. Waltraut genießt derweil den Blick in die Ferne und nicht so sehr in die Tiefe.
Nachmittags fahren wir dann in Richtung Osten, um den Colorado zu überqueren. Waltraut stürmt erneut eine Indian Juwelry, mit Erfolg. Wir fangen an, Buch über die Schmuckstücke zu führen, damit wir keine Schwierigkeiten mit dem Zoll bekommen. Da wir vermuten, daß die Campgrounds in unmittelbarer Nähe des Grand Canyon ziemlich voll sein werden, übernachten wir in einem RV Park etwas weiter entfernt. Keine schlechte Wahl, auch wenn das Städtchen in einem Indianerreservat lag und sich als ziemlich unattraktiv herausstellte.

Montag, 09.08.99

Anfahrt zum Grand Canyon, Südseite. Unterwegs geht die Kühlschranktür auf und 1 Topf mit Gulasch knallt aus 1 m Höhe auf den Fußboden. Die Schweinerei war riesig und eine Komplettreinigung war angesagt. Man mußte sich richtig wundern, wie sauber sich der Gulasch in alle Ecken bewegt hatte, die man nur schlecht erreichen konnte.
  
Der Blick von der Südseite unterschied sich zwangsläufig kaum von dem von der Nordseite, deshalb nur noch 2 Aussichtspunkte und dann nichts wie ab zum Flughafen. Der Hubschrauberflug war schnell gebucht, eine kurze Sicherheitsbelehrung per Video in deutscher Sprache und ab ging die Post.
  
Im Hubschrauber Untermalung durch Musik und Erklärungen. Da wir mit 6 Personen italienisch- und deutschsprachig gemischt waren, lief die erste Viertelstunde die italienische und danach dann die deutsche Version. Der Flug selber ist einfach phantastisch. Schwebt man eben noch über dem Südplateau in 30 m Höhe, ist man im nächsten Moment 1400 m über Grund und blickt in die Tiefe.
  
Wotans Thron und Wishnu Tempel sehen wir jetzt aus anderer Perspektive noch einmal. Weit unten der Einschnitt des Colorado, nur mit dem 10-fach Zoom gelingt es, eine Übersetzstelle in der Tiefe zu erspähen. Gewaltig die Leistung des Flusses, der sich sein Bett in 5 bis 10 Millionen Jahren gegraben hat.
                                
Nach diesem Highlight trudeln wir so langsam aus, fahren nach Flagstaff, begucken uns die historische Route 66 und ein paar historische Bauten in Flagstaff.                
Weiter geht es auf der Route 66, schließlich müssen wir uns diese wirklich uralte Straße - Easy Rider und Harley Davidson - ansehen. Entstanden aus einem alten Indianertrail und einem Ochsenkarrenweg war diese Straße in den Zeiten der Depression Ende der 20er Jahre der Weg in den „goldenen“ Westen für viele, die durch den Niedergang der Wirtschaft in Folge der Weltwirtschaftskrise ruiniert waren. In den 50ern und 60ern dann ein kurzes Aufflackern und heute nur noch staubige Bretterbuden. Kaum Verkehr auf der Straße und nur noch etwas Erinnerung an andere Zeiten. In Kingman, kurz vor der Wiederauffahrt auf die Interstate nach Las Vegas, übernachten wir.

Dienstag, 10.08.99

70 Meilen durch die Wüste zum Hoover Damm und Las Vegas liegt uns vor der Nase. Interessant der Blick auf den Colorado. Der Fluß windet sich durch felsige und sandige Wüste, noch nicht einmal rechts oder links vom Fluß wächst etwas Grünes.
                                 
Nur der Lake Mead, größter künstlicher See der USA, bringt etwas Leben in diese trockene und trostlose Landschaft. In Las Vegas haben wir unseren Platz im Campground schon vor Tagen bestellt, um sicher zu gehen, daß wir auch in der Stadt unterkommen und nicht irgendwo außerhalb unterziehen müssen. Die Vorbestellung ist ziemlich einfach, man ruft den RV Park unter einer kostenlosen Nummer an, reserviert unter Angabe seiner EuroCard Nummer und das war es schon.
  
Gegen Mittag machen wir uns auf, Las Vegas zu erkunden. Leider fährt der Shuttle Bus vom Campground erst 2 Stunden später, so lange wollen wir nicht mehr warten. Der Las Vegas Boulevard, der „Strip“, ist riesig. Die Hotelanlagen sind unvorstellbar groß und die Spielhallen in den jeweiligen Erdgeschossen haben die Dimensionen von Fußballfeldern. Unseren ersten Spielsalon sehen wir von innen, als ich auf der Suche nach einem Glas Bier bin. Waltraut erlernt das „Zocken“ an den Slot-maschinen sehr schnell. Wir verlassen die erste „Spielhölle“ mit einem plus von $ 11.
  
Nach dem Abendessen genießen wir den Strip bei Nacht. Die verschiedenen Vorführungen sind grandios. Die Wasserfontänen vor dem Bellagio bekommen wir mehr durch Zufall mit, beim „Vulkan“ vor dem Mirage wissen wir die Anfangszeit. Spitze, was hier geboten wird, um die Leute zum Spielen heranzulocken. Uns tun die Füße ganz schön weh, deshalb der Entschluß, zurück zum Camp zu fahren. Leider dauert es sehr lange, bis wir einen Bus kriegen, wir legen daher noch einige km zu Fuß zurück.

Mittwoch, 11.08.99

Las Vegas, Stadt der Illusionen und des Vergnügens. Im Vergleich dazu wirkt ein Spielkasino in Europa mit seinem Krawattenzwang und seiner vorgeblich illustren Gesellschaft ziemlich bieder und hinterwäldlerisch. Rund um Las Vergas Wüste, innen Grünanlagen und Wasserspiele, Palmen, Rollrasen und blühender Oleander. Hier ist wirklich alles künstlich. Man kommt hier sehr leicht zu der Überzeugung, daß die Amerikaner die größten Verschwender von Ressourcen auf der Welt sind. 6 Milliarden $ werden hier jährlich umgesetzt, und die Haupteinnahmequelle ist das Glücksspiel.                       Der Hotelbetrieb, die Shows und das Essen sind dem Spiel nachgeordnet und dienen nur dem Zweck, Spieler anzulocken und sie an die Tische oder Maschinen zu bringen. Entsprechend preiswert ist die Hotelunterkunft, wir haben Angebote für 25 $ gesehen und unser Mittagsbüfett kostete 12,85 $ Getränke inklusive. Aber was soll’s, Las Vegas ist einmalig und wir schlendern noch einmal einen ganzen Tag und eine halbe Nacht durch die Vergnügungspaläste.

  Dabei ist Waltraut mittlerweile Expertin an den Slot-Maschinen geworden, wir schaffen es immerhin, in diversen Hotels zu spielen und haben am Ende fast nichts verloren. Abends gönnen wir uns noch mal die Vorführungen, die wir gestern noch nicht gesehen haben und insbesondere die Piratenschlacht ist eine Wucht.


Als wir dann in die DownTown fahren wollen, sind die Busse so überfüllt, daß wir halt noch ein paar Stunden am Strip bleiben und uns die Kasinos ansehen, in denen wir noch nicht gewesen sind. So ganz nebenbei müssen wir natürlich auch noch diverse Slot-Maschinen ausprobieren, so daß sich unsere gesamten Verluste in Las Vegas auf 11 $ belaufen. Wir können damit leben.

Donnerstag, 12.08.99

Wir lassen Las Vegas hinter uns, von der Interstate 15 ein letzter Blick auf den Strip, die faszinierende Welt des Glücksspiels. Wir fahren in Richtung Mojave Wüste, und nun wird es so richtig trocken.
  
Die Kakteen am Straßenrand nehmen deutlich zu, die Besiedlung hört so langsam auf und Wasser bekommen wir praktisch nicht mehr zu sehen. Auch der Joshua Tree National Park ist eine Wüstenlandschaft, die Joshua Tree Bäume sind sehr seltsam geformt und man ist geneigt, sie erst als Kaktee anzusehen. Im Norden des Parks sind diese Bäume zahlreich vertreten. Viel Wasser benötigen sie wohl nicht, denn es sieht hier nicht so aus, als ob es in den letzten Wochen oder Monaten geregnet hätte.
  
Der Park besitzt nicht die großen Attraktionen, wie wir sie in den letzten Tagen bewundert haben, es sind eher die kleinen Dinge wie blühende Kakteen, der Prairiewolf am Straßenrand der verwundert zu uns herübersieht oder der Prairiehase, der im astreinen Stil eines Känguruhs über die Straße läuft.
                                  
Da wir von den vorangegangenen Abenden in Las Vegas ein bißchen müde sind, machen wir auf einem Parkplatz unterwegs ein Mittagsschläfchen und ziehen recht früh in einem Campground mitten in der Wüste unter. Wir erwarten Koyotengeheul in der Nacht und Sidewinderschlangen vor der Haustür. Nichts dergleichen, nur eine Känguruhratte streicht um unser Wohnmobil und sucht im Lichtschein des Wohnmobils Nahrung. Kleiner und dicker Körper, ellenlanger Schwanz und lange Beine, die sieht richtig süß aus. Abends Aufregung im Park, Polizei und Feuerwehr im Campground, wir vermuten, daß sich jemand verletzt hat und mit dem Krankenwagen abtransportiert wird.

Freitag, 13.08.99

Kein Unglückstag! Wir fahren in Richtung Indian Wells und Palm Springs, Heimat von 100 Golfplätzen. Golf ist Nationalsport und wird an allen Ecken und Enden ausgeübt, nicht nur von vorgeblich elitären Schichten, wie bei uns in der Bundesrepublik. Der Unterschied zwischen Bewässerung und Trockenheit ist frappierend. Nebeneinander sind Wüste und Orangenhaine, Sandflächen und Dattelpalmen.
                                
Nach etwas mehr als 100 Meilen nähern wir uns zum ersten Mal nach fast 4 Wochen wieder der Pazifikküste. Nördlich von San Diego in Oceansite sind die ersten beiden RV Parks total voll und wir vermuten zu Recht, daß wir unmittelbar an der Küste wohl nicht unterkommen werden. Also erst einmal Mittagessen direkt am Strand mit Chili Con Carne und richtigen Tortillas. Danach ein erster Spaziergang in der beeindruckenden Brandung am endlosen Sandstrand entlang. 10 Meilen weiter zum Landesinneren hin haben wir dann Glück mit einem RV Park, wir können die erste Nacht „trocken“ stehen, das heißt ohne Wasser und Stromanschluß, und erhalten in der 2. Nacht einen regulären Standplatz. Kein Problem, 180 Liter Wasser im Frischwassertank und entsprechend große Abwassertanks, Generator und Klimaanlage lassen keine Wünsche offen. Danach noch mal an den Strand, das Wasser ist sehr sauber und man kann hier wirklich toll spazieren gehen. Die ersten Einkaufsmöglichkeiten werden erkundet, den Steaks mit Seafood steht nichts im Wege.

Samstag, 14.08.99

Ein richtig fauler Tag! Morgens haben wir ausgeschlafen, dann die Wochenendeinkäufe erledigt und ab zum Strand. Wir baden im Pazifik und es ist richtig herrlich. Allerdings ist die Brandung so stark, daß man von den Wellen regelrecht umgeworfen wird.
  
Anschließend wird das Strandleben beobachtet, kräftig über zu fette Hinterteile gelästert und den akrobatischen Künsten der Surfer und Wellenreiter zugesehen. Die Kalifornier werden wohl mit einem Brett zum Wellenreiten in der Hand geboren. Nach einem Mittagsschlaf wieder „shoppen“, wir haben Hunger auf etwas Besonderes zum Abendessen. Also gibt es geräucherten Lachs, eingelegte geräucherte Muscheln und einige andere Spezialitäten. Wir entschließen uns, wieder ins Landesinnere zu fahren, nördlich von Los Angeles warten noch so einige National Parks auf uns.

Sonntag, 15.08.99

Wir fahren durch Los Angeles. Der ursprüngliche Entschluß, Hollywood und insbesondere die Filmstudios zu besichtigen, wird schnell gekippt, wir sind am Ende froh, den Großraum Los Angeles schnell hinter uns lassen zu können. 9,6 Millionen Einwohner, Smog so dicht, daß man keine 5 km weit sehen kann und trotz des Sonntag Morgen ein so starker Verkehr, daß 9 Fahrspuren in einer Richtung ziemlich voll sind. Das Durchfahren des Großraumes dauert 2 Stunden, 100 Meilen sind es von der Süd- bis zur Nordgrenze. Man wird an das Ruhrgebiet erinnert, nur die Ballung ist noch größer. Nördlich LA kommen wir dann in das Tal bei Bakersfield, eins der großen landwirtschaftlichen Zentren Kaliforniens, 600 Meilen in Nord Süd Ausdehnung und bestimmt noch einmal 50 Meilen in der Breite.
                                
Das wäre von den Ausmaßen her ja noch nicht einmal etwas Besonderes, aber diese ganze Fläche wird künstlich bewässert, ohne Kanäle und riesige Bewässerungsanlagen wäre hier verdorrtes Land. Wir sehen riesige Baumwollfelder, Plantagen mit Orangen und Mandarinen, Weinanbau im großen Stil, man kommt sich vor wie im Garten Eden. Der Obst- und Gemüseeinkauf beim Farmer direkt an der Straße lohnt sich, Auswahl und Qualität sind enorm. Abends noch ein kurzer aber lohnender Besuch in einer Outlet Mall, ein ruhiger Sonntag geht dem Ende zu. Ach ja, Mittagessen bei Burger King, jetzt kennen wir den Doppel Whopper.

Montag, 16.08.99

Aufbruch in den Sequoia National Park. Vorher verzweifelte Suche nach einem Farmers Market, damit ich Waltraut davon abhalten kann, Weintrauben, Orangen und Nektarinen zu klauen. Das Zeug hängt uns buchstäblich direkt vor der Nase. Wir haben Erfolg ( beim Einkaufen )und decken uns kräftig ein.
Der Aufstieg in den Sequoia National Park ist fahrerisch anstrengend, mehr als 100 enge Kurven und 14 Kehren erlauben die Durchfahrt nur für Fahrzeuge bis 22 Feet. Wir hoffen, daß wir mit 21 Feet (oder haben wir 23??) gut durchkommen. Der Aufstieg ist eine einzige Kurbelei auf wieder etwa 2000 m, aber die Ausblicke unterwegs sind phantastisch. Und dann sehen wir die ersten Sequoias und machen uns darüber schlau, welches der Unterschied zu den Redwoods in Nordkalifornien ist.
  
Die Sequoias sind dicker sowohl am Stammbeginn als auch in der Höhe und sie werden deutlich älter. Interessant ist ihre Vermehrung. Die Samen der Sequoias werden in den Zapfen bis zu 20 Jahre alt. Durch Feuer, gegen welches die Sequoias weitestgehend resistent sind, weil ihre Versorgungsschicht nicht in der Außenrinde liegt, werden die Samen getrocknet und fallen zu Boden. Hier ist durch das Feuer der Boden mit Mineralien gedüngt und gleichzeitig Platz und Licht zum Wachsen geschaffen worden. Die Sequoias fangen an zu keimen und zu wachsen.
Eindrucksvoll der General Sherman Tree, mit ca. 3200 Jahren das älteste und gleichzeitig größte lebende Ding auf dieser Erde, 85 m hoch, ein geschätztes Gewicht von fast 1400 Tonnen und eine Stammumfang von gut 30 m am Boden. Die Redwoods sind zwar höher, aber bei weitem nicht so dick.
                                 
Nachmittags machen wir eine Wanderung vom Campground aus zum General Grant Tree, dort ist eine Art Lehrpfad, der an vielen mächtigen Sequoias vorbei führt und diese sehr anschaulich beschreibt. Wir hoffen natürlich immer noch auf eine Begegnung mit einem Bären, werden aber trotz zahlreicher Warnschilder wieder enttäuscht. Nur ein Hirsch, der neben uns aus dem Gebüsch flieht, erschreckt uns ein bißchen.

Dienstag, 17.08.99

Früher Aufbruch in den Kings Canyon National Park, der mit dem Sequoia National Park zusammenhängt. Wir begegnen dem „Roadrunner“, ein Vogel, den man nach entsprechenden Zeichentrickfilmen dem Bereich der Fabelwesen zugeordnet hatte. Der Vogel fliegt nicht weg, er rennt weg, und wie. Wir hatten in den Beschreibungen schon den Namen gelesen, aber so richtig haben wir nicht daran geglaubt. Aber nun sehen wir sie live. 4 Altvögel und 1 Dutzend Jungvögel flitzen wie die Weltmeister über die Straße und durch die Büsche.
                                 
Der Kings Canyon selber hat keine spektakulären Dinge vorzuweisen, ist aber wild mit Steilhängen und Wasserfällen durchzogen. Danach geht es über Fresno in Richtung Yoshemite National Park, einer der ältesten und am meisten besuchten Parks in den USA. Dies liegt natürlich auch an seiner Lage, von San Francisco oder Los Angeles aus ist er in einem halben Tag zu erreichen. Unterwegs noch mal Farmers Market, 10 Pfund gemischtes Obst sollten für die nächsten Tage reichen. Am frühen Abend bummeln wir durch Mariposa, ehemals Goldgräberstadt, heute ein verschlafenes Städtchen mit vielen geschlossenen Läden. Vorher hat Waltraut den lang gesuchten „Rain Stick“ erworben, Faszination für den Kindergarten zu Hause. Abends probieren wir Taco Bell aus, interessante Kombinationen von Fleisch und Salaten. Wir wollen zu Hause mal versuchen, ähnliches zu kredenzen.

Mittwoch, 18.08.99

Wir brechen in den Yoshemite National Park auf. Glattgeschliffene Felsformationen durch Eis und Wasser glattgeschliffen. Der Yoshemite Wasserfall ist mit einer Gesamthöhe von 750 m beeindruckend.
                                 
In den Informationen über den Park lesen wir, daß hier im Schnitt pro Nacht 4 – 5 Autos von Bären aufgebrochen werden, die auf der Suche nach etwas Eßbarem sind. Bilder von den Autos sollten normalerweise jeden davon abhalten, Essbares im Wagen zu lassen, die Bären sind gnadenlos. Wir kriegen natürlich wieder keinen zu Gesicht. Im Park ist sehr viel los, man merkt, daß dieser Park nahe der Großstädte Los Angeles und San Francisco gelegen ist. Deshalb machen wir uns schnell auf die Socken, machen nur eine kurze Rundtour und dann ab in Richtung Tioga Paß, wieder mal 3.100 m hoch. Wir kommen noch ein letztes Mal nach Nevada, also geht es natürlich wieder mit den Spielkasinos los, wir übernachten in Carsson City, verzocken noch einmal 15 $ und beschließen, morgen bis zur Küste durchzufahren, den RV Park nördlich von San Francisco haben wir bereits gebucht.

Donnerstag, 19.08.99

Wir haben eine lange Etappe von der Sierra Nevada herunter durch die Ausläufer der Rocky Mountains und das alte Goldgräberland südöstlich von Sacramento zur Küste vor uns. Nachdem sich aber das „Gold County“ als ein gigantischer Andenkenladen entpuppt, ist unser Bedarf erst einmal gedeckt und wir fahren recht zügig nach Sacramento. Da es noch nicht in den Berufsverkehr hineingeht, steht unser Entschluß fest, wir fahren über die Golden Gate und durch San Francisco.
  
Es soll sich zu einer Traumfahrt entwickeln. Es dauert zwar etwas, mit dem Wohnschiff durch die schmalen Straßen San Franciscos hindurchzukommen, aber es lohnt sich. Zuerst traumhafte Ausblicke auf die sonnenbeschienene Bucht von San Francisco mit der Golden Gate und Alcatraz, kein Nebel und keine Wolke. Wir sind richtig gespannt auf die morgige Stadtbesichtigung vom RV Park aus. Dies ist auch der Grund für unsere Wahl des RV Parks, in der Beschreibung ist vermerkt, daß von dort aus ganztägige Stadtbesichtigungen durchgeführt werden.  Wir haben Glück und bekommen im KOA eine Tour für morgen früh, hoffentlich ist das Wetter so wie heute. Am frühen Abend dann noch ein Bummel durch Petaluma, die historische Altstadt war nicht der Hit, dafür aber die Outlet Mall. Zum Glück bin ich mit einer Silberkette "davongekommen".

Freitag, 20.08.99

San Francisco Stadtbesichtigung! Abfahrt um 08:00 Uhr mit einem komfortablen Reisebus. Bei der Ankunft an der Golden Gate dichter Nebel. Man kann noch nicht einmal die Brückenpfeiler erkennen. Der Führer verspricht uns, daß die Sicht zum Mittag hin besser wird und daß am Nachmittag heller Sonnenschein sein wird. Wir haben Schwierigkeiten, ihm angesichts der dicken Suppe zu glauben. Im Golden Gate Park unser erster Halt am Japanese Tea Garden, Anregungen für die künftige Gartengestaltung werden eingeholt.!!
              
Die Fahrt mit dem Cable Car auf der California Street ist ein Muß genau wie zahlreiche Stadtansichten, die wir zuvor schon in unserem Reiseführer bewundert haben. Der nächste größere Halt dann bei Fishermen`s Wharf und hier tobt wirklich das Leben. Es lohnt sich, hier zu bummeln, die seltsamsten Leute zu beobachten wie die „Bushmen“, und den diversen Kleinkünstlern zuzusehen, die sich hier wie auf einem Jahrmarkt herumtreiben. Die Spezialitäten sind natürlich Sea Food in allen Formen, Farben und Arten. Eine ganz besondere Spezialität sind die kalifornischen Seelöwen, die sich unmittelbar vor dem Hafen tummeln. Wir beschließen spontan, hier am Sonntag noch mal bummeln zu gehen, wenn wir unser Auto abgegeben haben. Mittlerweile ist die Sonne herausgekommen und der Anblick der Bucht verzaubert uns. Danach dann nächster Halt in Chinatown, und das zur Hauptgeschäftszeit am Freitag Nachmittag. Die Auslagen in den Geschäften sind derart bunt und exotisch, daß selbst wir einige Dinge nicht kennen, aber wir nehmen wohl zurecht an, daß die lebenden Frösche und Schildkröten im Fischgeschäft nicht für den Gartenteich gedacht waren! Danach dann noch mal die Golden Gate, jetzt im herrlichen Sonnenschein und dem phantastischen Ausblick über die Bucht von San Francisco. Anschließend eine Stunde im Stau, aber was soll´s, wir müssen ja nicht selber fahren und können uns erholen.

Samstag, 21.08.99

Wir wollen mit unserem Wohnmobil noch etwas die Küste herunterfahren in Richtung Süden. Also erst einmal wieder über die Golden Gate und durch die westlichen Ausläufer von San Francisco. Das Wetter ist traumhaft, der Pazifik blau wie auf den Postkarten und wir genießen das Bummeln. Andererseits sind wir richtig faul und haben nicht vor, noch eine größere Strecke zurückzulegen, deshalb frühzeitige Rückkehr und dieses Mal kommen wir so richtig in die Verkehrsstaus in San Francisco. Eine Stunde für ein paar Meilen, alle Kalifornier scheinen sich auf den Straßen zu tummeln. Hinter der Golden Gate soll Waltraut vom Rückfenster aus die Bucht von San Francisco photographieren, den berühmten „One Million Dollar View“. Im Moment des Abdrückens fahre ich aber über einen Buckel, deshalb wird es nur ein „50 Cent View“. Man kann sich aber vorstellen, wie schön der Ausblick von hier sein kann. Leider darf man hier nicht halten.
Nachmittags besorgen wir uns noch etwas Kaffee und Kuchen, wir schlemmen noch ein bißchen. Unser Timing hinsichtlich der Verpflegung war sowieso nicht schlecht, unser Kühlschrank ist fast leer und die Masse der Vorräte ist aufgebraucht.

Sonntag, 22.08.99

Wir müssen uns von unserem liebgewonnenen Wohnmobil trennen. Vor dem frühen Aufbruch noch eine Intensivreinigung, damit später die Übergabe klappt. Dann eine schnelle Fahrt nach Dublin und zu unserer eigenen Überraschung finden wir den El Monte Stützpunkt auf Anhieb. Die Übergabe klappt reibungslos, obwohl an diesem Tag 37 Kunden ihre Fahrzeuge übernehmen. Es geht zu wie in einem Taubenschlag. Gegen Mittag werden wir wieder zum Holliday Inn gebracht, Unsere Reise neigt sich jetzt wirklich dem Ende zu. Nachmittags fahren wir noch mal mit dem Cable Car die California Street hoch, bummeln zur Lombard Street und weiter zu Fishermen´s Wharf. Mit einem Dollar Trinkgeld läßt sich auch der Bushmen photographieren, und mit etwas Geduld gelingt es auch, direkt vor dem Hafen einen Pelikan zu erwischen. San Francisco erweist sich wirklich als die ausnehmend schöne Stadt, wie sie immer beschrieben wird. Fast an jeder Ecke lohnt es sich, den Photoapparat herauszunehmen und etwas auf die Diskette zu bannen. Abends an der Bar im Holliday Inn lassen wir alles noch mal Revue passieren, lästern kräftig über andere Hotelgäste und finden, daß wir einen Traumurlaub gehabt haben, wie man ihn vielleicht nur einmal im Leben haben kann. Es war phantastisch.

Montag, 23.08.99

Der Rückflug steht uns bevor. Um 06:00 Uhr haben wir unser Taxi bestellt, weil die nette Dame von Delta Air uns gebeten hatte, 2 Stunden vor Abflug am Schalter zu sein. Deshalb kein Frühstück im Hotel, sondern erst nach dem Einchecken im Flughafen. Mit etwas Verspätung dann der Abflug nach Atlanta. Wir haben Fensterplätze und der Flug dauert nur 4 Stunden, ganz gut auszuhalten. In Atlanta dann der Transfer zum Terminal ohne die befürchteten Probleme. Der größte Flughafen der Welt erweist sich auch als einer der am besten organisierten der Welt. Doch dann der endlos lang erscheinende Flug von Atlanta nach Hamburg. Beim Abflug schon weit mehr als eine Stunde Verspätung, Atlanta ist hoffnungslos überlastet, obwohl die Starts auf mehreren Startbahnen erfolgen. Nach 8 langen Stunden dann die Ankunft in Hamburg, Alexander holt uns ab und Stephanie hat ein phantastisches Frühstücksbüfett vorbereitet. Wir sind wieder da!

 

Schlußwort

Die Erlebnisse in den USA werden uns noch lange in Erinnerung bleiben und begleiten. Ein unvergeßlicher Urlaub ist zu Ende. Jedesmal, wenn man Bilder im Fernsehen sieht von der Golden Gate oder Arches Bögen dann ist sofort all das wieder lebendig, was wir selbst dort gesehen haben. Unbeschreiblich welche Fülle von ‚Erlebnissen wir in unserem Traumurlaub hatten.